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Tageskliniken

Die LWL-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Marl Sinsen unterhält neben dem Hauptstandort zurzeit sechs Außenstandorte in Coesfeld, Herne, Gronau, Warendorf, Bottrop und Recklinghausen. Die Beschulung an den Standorten Bottrop und Recklinghausen wird durch unsere Schule mitverwaltet.

Die räumliche Struktur des Schulstandortes Recklinghausen

Die Räume unserer Schule befinden sich außerhalb der Station in der zweiten Etage des angrenzenden Kutscherhauses und bestehen aus zwei Klassenräumen und einem Lehrerzimmer, welches jedoch vorwiegend als Differenzierungsraum genutzt wird und Schüler:innen eine Rückzugsmöglichkeit bei gesteigerter Anspannung oder akuten Konzentrationsproblemen bietet.

Als Fachraum steht im Erdgeschoss eine kleine Sporthalle zur Verfügung, die für Bewegungsspiele im kleinen Rahmen durch unsere Schule und die Station genutzt werden kann. Die Nutzung eines weiteren Raums in der ersten Etage ist in Planung und könnte die Möglichkeit schaffen, jeder Klasse einen Differenzierungsraum zuzuweisen.

 

Die Tagesklinik liegt zentral, sodass alle Bereiche der Innenstadt fußläufig gut erreichbar sind. Dieser Umstand bietet die Möglichkeit der Nutzung außerschulischer Lernorte (Leihbücherei, Engelsburg, angrenzender Park hinter dem Rathaus), was von den Schüler:innen gut angenommen wird und den Lernort Schule noch abwechslungsreicher macht.

Die räumliche Struktur des Schulstandortes Bottrop

Die zwei Klassenräume der Schule befinden sich innerhalb der Tagesklinik im Erdgeschoss auf dem gleichen Flur wie die Räumlichkeiten des Pflege- und Erziehungsdienstes. Der Sportraum im Obergeschoss kann schulisch genutzt werden. Die enge räumliche Anbindung der Klassenräume an die Räumlichkeiten des Pflege- und Erziehungsdienstes machen einen schnellen fachlichen Austausch zwischen allen Professionalitäten der Tagesklink mit uns möglich („kurze Wege“).

Die Tagesklinik liegt ländlich (Nähe zum Stadtpark Bottrop), so dass auch Unterricht an außerschulischen Orten, z.B. sportliche Aktivitäten im Stadtpark durchführbar ist.

Besonderer Aspekt der Beschulung im teilstationären Rahmen

Ein besonderer Aspekt der teilstationären Behandlung besteht darin, dass die Patient:innen an den Außenstandorten täglich in ihr familiäres Umfeld zurückkehren.

Enge und professionelle Zusammenarbeit mit allen am Kind arbeitenden Professionen und den Erziehungsberechtigten vereinfacht und intensiviert unsere pädagogischen Maßnahmen mit dem Ziel, Spannungen und externalen Druck beim Kind oder Jugendlichen abzubauen und akute Krisensituationen abzufedern.

Ablaufstruktur in den Tageskliniken (TK) Bottrop/Recklinghausen

An den Standorten der Tageskliniken Bottrop und Recklinghausen der Klinikschule ist die Ablaufstruktur und didaktische Organisation engmaschig auf das jeweilige spezielle Tagesklinikkonzept bezogen.

Die Klassenzuordnung der Schüler:innen erfolgt hier nach Vorgaben von Jahrgang, Leistungsstand und bisheriger Schullaufbahn und einer von der TK nach therapeutischer Indikation zusammengesetzten Stationsgruppe. Dies beinhaltet eine große Leistungs- und Entwicklungsheterogenität in den zwei Klassen.

Inhaltlich wie organisatorisch sind wir eng in die Kooperation mit den Tagesklinikteams integriert, wobei folgende Schwerpunkte unterschiedlich nach der jeweiligen Tagesklinik gewichtet sind:

  • Informationen bei Aufnahme der Patient:innen
  • täglicher Austausch mit dem Pflege- und Erziehungsdienst
  • wöchentliche bis zweiwöchentliche Gespräche mit den therapeutischen Fachkräften
  • monatliche Dienstbesprechungen (Teamtag)

Fachspezifische Arbeitsformen

Primarstufe

Im Primarbereich wird in der Klinikschule der Tageskliniken in Anlehnung an die Richtlinien der Grundschule unterrichtet, in Einzelfällen auch im Bildungsgang der jeweiligen Förderschule. Dort wo noch keine konkreten Informationen durch die Stammschule zu Lerninhalten vorliegen, unterrichten wir zielgleich nach den jeweiligen Lehrplänen der Schulform und Jahrgangsstufe der Schüler:innen. Über den Unterricht in den Kulturtechniken (Mathe und Deutsch) hinaus, werden insbesondere noch folgende Fördermöglichkeiten den Schüler:innen angeboten:

  • Einzel- und Kleinstgruppenförderung
  • Sonderpädagogische Förderung
  • Gemeinsames Spiel zur Förderung der sozialen Kompetenzen
  • Entspannungstechniken, Fantasiereisen
  • Nutzung außerschulischer Lernorte (z.B. begleitete Unterrichtsgänge im Park)
  • Kunst- und Werkprojekte
  • Festgestaltung im Jahreskreis (Karneval, Erntedank, St. Martin, Weihnachten) – Sachunterricht
  • Englisch
  • Projektarbeit in Form von Präsentationen
  • Arbeiten mit den modernen Medien (AntonApp, schlaukopf.de, planet-schule.de, englishactivities.net, kidstation.de, Padlet der Stammschulen, Word, Lernplattformen…)
  • Erlebnispädagogische Aktivitäten in Kooperation mit der Station der TKs

Sekundarstufe I

Der Unterricht orientiert sich an den Richtlinien der Schulformen im Sekundarbereich, in den höheren Jahrgängen mit Differenzierungsmöglichkeiten. Unterrichtet wird besonders in Englisch, Deutsch und Mathematik, um den unterschiedlichen Niveaus der Stammschulen (Förderschule Lernen, HS, RS, Gy, Ges.-Schule) Rechnung zu tragen. Die Stundentafel wird ergänzt durch zusätzliche Förderangebote wie:

  • Nebenfächer: Erdkunde, Geographie, Biologie, Chemie, Physik, Geschichte, Politik, Philosophie, Pädagogik, Wirtschaft und Kunst, weitere Fremdsprachen, sonderpädagogischer Förderunterricht
  • bei Bedarf erhalten die Schüler:innen ein Unterrichtsangebot der fachspezifischen Lehrkräfte aus dem Hauptstandort in Marl (z.B. Mathematik Sek. II, Französisch, Erdkunde/Geographie Sek. II etc.). Die Lehrkräfte kommen dafür stundenweise an den Standort der TKs oder geben online Unterrichtsangebote.
  • Projektarbeit mit mündlichen Präsentationen
  • Arbeiten mit den modernen Medien 

Förderprinzipien

Aufgrund der besonderen Lern- und Lebenssituation der Schüler:innen ist es selbstverständlich, dass sich Unterricht nicht in reiner Wissensvermittlung erschöpfen darf. Wir orientieren uns an der psychischen Verfassung unserer Schüler:innen und gestalten den Unterricht entsprechend. Dennoch soll die Bewältigung schulischer Aufgaben Normalität vermitteln, bei der Strukturierung des Tages hilfreich sein und der Entwicklung einer Perspektive dienen.
Die Schüler:innen werden daher phasenweise im Sinne der Binnendifferenzierung in einer Kleinstlerngruppe oder in einer Einzelförderung unterrichtet.
Die Entwicklung und Förderung der Selbstverantwortlichkeit aller Schüler:innen erhält in der Klinikschule der Tagesklinik Bottrop/Recklinghausen einen hohen Stellenwert:

Schüler:innenorientiert und ganzheitlich impliziert auch offene Unterrichtsformen wie

  • Lernen an Stationen
  • Freiarbeit
  • Projektarbeit und handlungsorientierte Merkmale wie
    • Bedürfnisbezug der Schüler:innen zum Thema
    • Aktivierung aller Sinne
    • Berücksichtigung der methodischen Kompetenz der Schüler:innen (Schüler:innen planen und gestalten Unterricht mit)
  • Rhythmisierung (hohe Konzentrationsphasen/Entspannungsphasen)

Individualisierung findet sonderpädagogisch auf allen Ebenen statt:

  • Individuell notwendige Entschleunigung von Unterricht und Lerntempo je nach Lern – und Wahrnehmungsmöglichkeiten der Schülerschaft
  • Wahrnehmungsangepasste Arbeitsblätter und Medien als Zusatz zum Material der Stammschulen
  • Gestaltung des Arbeitsplatzes der Schüler:innen nach therapeutischen Gesichtspunkten (z.B. Leselampen, Lärmschutzkopfhörer, Leselupen, Lernuhren, Fußhocker, Stehpulte, sichtbare Wochenziele etc.)
  • Vollständige Integration der Ergotherapie, Sporttherapie, Gesprächstherapie und Pflege in den Schulalltag

In Krisensituationen mit Schüler:innen während des Schulbetriebs ist es durch die gute Kooperation mit den Professionalitäten der Tagesklinik sehr hilfreich, dass uns therapeutische oder/und pädagogische Hilfen zu jeder Zeit zu Verfügung stehen können, um z.B. Eskalationen zu vermeiden (begleitete Auszeiten, therapeutische Gespräche etc.).

Elternarbeit

Die Mitarbeit von Eltern und anderen erziehungsberechtigten Personen der Patient:innen ist in der teilstationären Behandlung auch unter systemischen Behandlungsaspekten von großer Bedeutung und wirkt sich auf unsere schulische Elternarbeit aus.

 

In Plangesprächen mit Vertretern der Stammschulen und anderen fallbegleitenden Institutionen werden Eltern nach Möglichkeit und Bereitschaft immer mit einbezogen.

Neben fernmündlichen oder persönlichen Kontakten zu den Elternteilen finden auch Unterrichtshospitationen durch Eltern, Schulbegleitung durch Eltern in einzelnen Fällen über mehrere Tage und das sogenannte „Elternfrühstück“ in der Tagesklinik in Recklinghausen (etwa vierteljährlich) statt. Diese Kontakte bieten Eltern die Chance, unsere Unterrichtskonzeption als „Klinikschule“ transparenter zu erleben.

In den Tageskliniken erhalten die Eltern zusätzlich ein Informationsblatt unserer Schule bei Aufnahme ihres Kindes. Darauf sind alle schulischen Prozesse während der Behandlung in der Tagesklinik kurz zusammengefasst und vermitteln den Eltern einen Überblick.